Ein eigenes Streikkomitee an der Schule haben- was heißt das eigentlich? Teil 1

Ein Beitrag von Kofi, 20 Jahre alt, der im Streikkomitee des Anna-Freud-Oberstufenzentrums mitarbeitet.

„Ich bin jetzt seit drei Jahren auf der Schule und in jedem Jahr davon gab’s Schulstreiks.

Als es im Herbst 2013 darum ging, die Streiks der GEW zu unterstützen, haben wir noch zu zweit mobilisiert und nicht wirklich viele Leute erreicht. Daraus hat sich dann aber ein kleiner Kreis von Leuten gebildet, mit denen wir politisch diskutieren konnten. Wir haben auch, vor leider viel zu kleinem Publikum, einen Film über die Bewegung gegen die Studiengebühren gezeigt, wo noch Autobahnen und Bahnhöfe blockiert wurden – total undenkbar damals, dass es kurze Zeit später in Berlin auch wieder eine krasse Bewegung geben würde.

Bei den Refugee Schul- und Unistreiks sah die Sache schon anders aus, da haben sich mehr Leute für begeistern lassen. Aber unsere Arbeit dafür war immer sehr spontan, weil wir unsere Treffen in den Pausen gemacht haben und alle aus verschiedenen Jahr- und Bildungsgängen kamen. Hat trotzdem funktioniert. Die, die auch sonst auf Demos gehen, haben vor dem Schulstreik mitgeholfen zu mobilisieren, ganz einfach.

Wir haben auch immer versucht, die SV dafür zu benutzen, das hat aber nicht so gut geklappt, weil die Leute da, die nicht links waren, lieber über verstopfte Toiletten reden wollten, als darüber, wie man was gegen Abschiebungen unternimmt.

Vor dem letzten Schulstreik im November hat sich die Situation dann verändert: in der Schule neben uns wurde eine Notunterkunft für Geflüchtete eröffnet. Das hat unglaublich viele politisiert, und wurde sogar im Unterricht aufgegriffen. Auf einmal waren Krieg, Hunger, Flucht und vor allem die deutsche Politik ein Thema, an das wir anknüpfen konnten.

Dazu kommt, dass in der 11. jetzt unglaublich viele coole Schüler*innen sind, die eine große Rolle dabei gespielt haben, die Mobilisierung auf eine neue Stufe zu heben.

Als wir vor dem 19.11.15 Flyer verteilt haben, waren Leute von uns im U-Bahnhof, am Eingang und selbst noch auf dem Weg dazwischen. Die meisten, die an der Schule angekommen sind, hatten schon Flyer in der Hand, und wenn nicht, mussten sie da einen nehmen, um durchzukommen.

Ich bin ja gerade am Ende meiner Zeit da, deswegen ist es gut, zu wissen, dass es weiterhin Leute gibt, die an der Schule Politik machen.

Und das, wo es jetzt gerade spannend wird. Die GEW hat den Kampf für einen Tarifvertrag wieder aufgenommen, was wir auch unterstützen. Da wäre es natürlich für alle am Besten, sie würden für den 27.04. zum Streik an allen Berliner Schulen, Universitäten und Kitas aufrufen, dann hätten wir einen gewaltigen Streik im gesamten Bildungssystem, der “zufällig” die ökonomischen Forderungen der GEW mit unseren politischen Forderungen vereint.

Das wäre qualitativ natürlich ein ganz anderes Niveau als unsere bisherigen Aktionen, und genau das brauchen wir, um den Geflüchteten zu helfen und praktisch etwas gegen den Rechtsruck zu tun: Die Solidarität von Jugendlichen, Arbeiter*innen und Geflüchteten, die gemeinsam kämpfen!“

Wenn auch ihr Lust habt, was an eurer Schule zu starten und ein wenig Starthilfe und Tipps sucht, kommt entweder zum regulärem Plenum oder nächsten Mittwoch den 6.4. zum Mobitreffen!

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